Pre-Event Zukunftsforum NRW – Niederlande 2026– Jakob-Funke-Saal, 6. Oktober 2026
Pre-Event
„Zukunftsforum NRW-Niederlande 2026“
im
Jakob-Funke-Saal,
Jakob-Funke-Platz 1, 45127 Essen
am
6. Oktober 2026
Grußwort
Prof. Bodo Hombach
6. Oktober 2026
Sehr verehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie herzlich. Sie alle haben eine eigene anstrengende Agenda. Besten Dank, dass wir heute zusammen sein können.
Wir bereiten Wichtiges vor: Dessen Wert kann man nicht überschätzen. Unser Vortreffen ist Startrampe für das 4. Treffen der Ruhrwirtschaft mit den niederländischen Nachbarn. Daran gab es von Anfang an lebhaftes Interesse. Das hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Das gilt für Wirtschaft und Politik. Die hochrangige Beteiligung unterstreicht es.
Die Treffen vertiefen Zusammenarbeit. Sie stiften konkrete, gemeinsame Projekte. Niemand verliert. Alle gewinnen. Wettbewerb, nicht Kampf. Da ideologische Eiferer wieder zum Gefecht blasen, ist das ein pflegebedürftiges Prinzip.
Erich Kästner machte den Punkt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“
Dafür steht die hilfreiche deutsch-niederländische Handelskammer. Dafür Dank, Herr Gülker!
„Taten tun“ ist auch Motto des Initiativkreises Ruhr. Ihnen, Herr Dr. Kerkhoff, und dem Team ebenfalls herzlichen Dank. Sie bringen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen.
In schwierigen Umbruchsphasen der Region hat sich das beispielhaft und zu Recht beneidet bewährt. Auch die junge unternehmerische Generation ist integriert und sitzt auf „Driver’s Seat“. Großartig, dass sie auch hier mitagieren, In starken Rollen. In diesem Jahr sind auch die Hochschulen bewusst und robust vertreten.
Technologischer Fortschritt ist durch Parteitagsbeschlüsse nicht aufzuhalten. Wird er bei uns ausgebremst, weicht er in andere Länder aus. Dann müssen wir eigenes Wissen importieren und teuer bezahlen. Stimmrecht bei der nutzenden Mitgestaltung können wir dann ganz vergessen. Wer jetzt an Künstliche Intelligenz denkt, ist nachweislich mit natürlicher Intelligenz begabt. Wir verbünden also Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.
Auch hier gelten die Grundfragen Kants:
Wer sind wir? Wo stehen wir? Wohin gehen wir? Was sollen wir?
Wir wissen: Nachbarschaft in Europa war lange heikel und gefährlich. Man beäugte sich misstrauisch oder begehrlich. Man nutzte Schwächen aus. Man fiel zu oft übereinander her. Erst mit Stammesdünkel. Oder dynastischer Begehrlichkeit. Manchmal ging es um den richtigen Gott oder den falschen Glauben.
Nationalistischer Wahn zündete das dickste Pulverfass. Die seelischen und materiellen Trümmer flogen uns in und nach zwei Weltkriegen um die Ohren. Das Echo ist nicht völlig verstummt.
Nachbarschaft bedeutet für uns: Begegnung, Austausch von Ideen, Bündelung der Kräfte. Statt Gräben und Mauern schmückende Gartenzäune. Und die gern nur noch virtuell. Wir gehen nicht mehr aufeinander los, sondern aufeinander zu. Geografischer Nähe braucht Vertrautheit und Zusammengehen.
In Zeiten des Zerfalls globaler Spielregeln, kriegerischer Konflikte und übergriffiger Freunde steigt das im Wert. Was wir machen, ist deshalb kein: „nice to have“.
Es setzt ein fast trotziges Zeichen.
Wir fangen nicht bei Null an. Zwischen unseren Ländern gab es immer starke Verbindungen. Der „Frieden von Münster“ ermöglichte der Republik der Vereinigten Niederlande Unabhängigkeit. Der kulturelle Impuls des befreiten Nachbarn strahlte über Europa hinaus.
Der „Wilhelmus“ wird in der niederländischen Nationalhymne als „von Nassauen aus deutschem Blut“ besungen. Die Niederländer kennen ihren Johann Moritz von Nassau-Siegen. Der hat es in holländischen Diensten bis zum Statthalter der Republik gebracht.
Sein Palais in Den Haag beherbergt die Kunstsammlung der Krone. Er war Gartenfreak und mit dem Preußenkönig befreundet. Dem gab er den Tipp, in Berlin eine Prachtstraße „Unter den Linden“ zu bauen.
Geschichtliche Errungenschaften sind leider kein unkündbarer Besitz. Man muss sie mit Leben erfüllen, manchmal verteidigen. Auch in supranationalen Zusammenhängen spielt Regionalität eine wichtige Rolle. Sie erzeugt das Wohngefühl der Menschen. Hier erleben sie die Machbarkeit der Verhältnisse. Es gibt kurze Wege der Verständigung. Das verhindert den Rückfall in nationalistisches Fremdeln.
Hier ist jeder und jede eingeladen mitzuwirken. Dieses Pre-Event nimmt die Dezembertagung nicht vorweg. Es soll sie befeuern: Anregungen, Aspekte und Perspektiven. Ein Vorspiel, gewiss. Aber das ist zuweilen der reizvollere Teil einer Partnerschaft.
Eins ist schon jetzt klar: Wir werden in 1 1/2 Stunden klüger sein als wir gekommen sind.