Brost-Ruhr-Preis – Erich-Brost Pavillon, 24. November 2025
Brost-Ruhr-Preis
im Erich-Brost Pavillon auf Zeche Zollverein
24. November 2025
Grußwort
Prof. Bodo Hombach
8. Oktober 2025
Verehrte, liebe Gäste, verehrter Herr Ministerpräsident Wüst,
Sie werden die Laudatio halten. Die liegt in besten Händen. Dafür herzlichen Dank. Ich werde mich hüten, der vorzugreifen.
Der Brost-Ruhr-Preis ehrt, wer vorausdenkt und ermöglicht.
Er würdigt, was war, um nach vorn zu zeigen.
Der Preis geht an solche, die das Ruhrgebiet verbessern und lebenswerter machen.
Wirkmächtige mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Temperamenten.
Eines verbindet sie alle.
Das als richtig Erkannte – tun sie auch. Eine Eigenschaft, die seltener wurde.
Tatmut schwächelt im Lande.
Nicht, bei unseren großartigen Preisträgerinnen und Preisträgern.
Dem begnadeten Journalisten und Intendanten Fritz Pleitgen.
Er setzte Regionalstudios durch und gab dem Ruhrgebiet eine Stimme.
Dem energischen Innenminister. Der hat trotz Widerständen das Thema Straßenkriminalität
ausgeleuchtet. Den zersetzenden Einfluss der Clans bekämpft er.
Den drei wunderbare Palliativmedizinerinnen. Die begleiten Menschen im letzten Abschnitt
des Lebens. Lindern Schmerzen, schenken Nähe, bewahren Würde.
Den vier großartigen Schauspielern. Die lernten unter Claus Peymann in Bochum. Jetzt sind
sie Stars ihrer Zukunft.
Heute feiern wir zwei Persönlichkeiten, die Wohlstand schaffen.
Grenzen überschreiten, das Ruhrgebiet mit der Welt verflechten, die helfen, das Geld zu
verdienen, mit dem der Staat Gutes tun kann.
Goethe lässt den Faust sagen: „Von nichts – kommt nichts, das ist gewiss“.
Es ist nun mal ein Grundgesetz des Lebens. Man muss erst erwirtschaften, was man ausgeben
will.
Das lässt sich ideologisch oder moralisch nicht überlisten.
Häfen waren immer ökonomische Treiber und Sehnsuchtsorte.
Hamburg schwächt sich gerade.
„Dummheit, die man bei anderen sieht, wirkt meist erhebend aufs Gemüt!“, lästerte Wilhelm
Busch.
Die wachstumsfähigen Hafenchefs von Rotterdam und Duisburg sind eher Komplizen als
Konkurrenten. Herr Markus Bangen und Herr Boudewijn Siemons.
Zwei Chefs – ein Erfolg. Zwei Häfen – ein Organismus. Sie wachsen an- und miteinander.
Ich gratuliere Ihnen herzlich. Und auch allen, die von Ihrer Leistung profitieren.
Der Brost-Ruhr-Preis meint seine Träger.
Er ist auch ein Statement für ein Thema, das lebensbestimmend ist für eine Sorge, die uns
umtreibt, und für eine Hoffnung, die uns trägt.
Es ist unbefriedigend, unter den Möglichkeiten unserer Zeit zu wirken.
Unsere Welt leidet unter gefährlichen Stenosen: Renationalisierung, Protektionismus,
Standortegoismus, Selbstblockade.
Das vergeudet uns. Das macht uns ärmer, dümmer und den Friede schwächer.
Günter Eich stellte einem seiner Hörspiele das Motto voran „Wacht auf! Eure Träume sind
schlecht!“
In der Nachkriegszeit eingeschlafen, sind wir in der Vorkriegszeit aufgewacht.
Aufwachen in eine gute Zukunft heißt Öffnung, Dialog, fairer Wettbewerb, Interessenausgleich,
Miteinander.
Dafür stehen die Preisträger von heute. Diese Vordenker und Vormacher pflegen
Beziehungen, beseitigen Hindernisse (da is‘ noch was).
Die Betuwe-Linie der Eisenbahn soll zusätzliche Pulsader zwischen Rotterdam und dem
Ruhrgebiet sein.
Die Niederlande haben schon 2007 geliefert, alles bis zur Grenze fertiggestellt.
Das konnte ich 2008 als damaliger Wirtschafts- und Verkehrsminister besichtigen. Auf unserer
Seite wurde dann vor allem Papier gestapelt.
Europa ist eben nur so stark wie sein schwächstes Gleis Logistik braucht Bewegung.
Unsere Preisträger sind Beweger.
Ich habe aber auch eine ermunternde Anekdote.
Im damaligen Amt führte ich Erich Staake als neuen Hafenchef ein. Ich fuhr nach Rheinhausen – ein Ort, der noch glühte.
Die erbitterten Kämpfe um das Stahlwerk waren unvergessen. Ich hatte sie miterlebt.
Es regnete heftig. Der Himmel tiefgrau. Das Werk verschwunden. Der Boden schwarz und
matschig.
Man hatte Holzbohlen durch den Schlamm gelegt. Die führten zu einem kleinen Zelt.
Mir wurde eine wohlklingende Rede mitgegeben voller „blühender Landschaften“ und allem,
was dazugehört.
Beim Sprechen schaute ich Erich Staake an.
Ich dachte, „Ich darf in zwanzig Minuten wieder weg. Du armer Kerl musst nun hierbleiben.“
Jahre später zeigte der mir das gleiche Gelände.
„Das heißt jetzt Ruhrport“, sagte er. Ich staunte: Mehr Arbeitsplätze als zuvor. Qualifiziert.
International. Ein Ort, gewachsen aus Schlamm, geboren im Regen.
Ein Hotspot regionaler Wirtschaft. International vernetzt. Da wird mehr gestaltet als verwaltet.
Kräne, Container und Rohrleitungen verbinden sich mit Ideen für Zukunft.
Das lädt den Erfolg geradezu ein.
Der Bund darf allerdings seine Schleusen und Wasserwege nicht verkommen lassen.
Ich übergebe an jemanden, der dies alles noch viel besser einordnen – und vor allem
entscheiden – kann.
Als Regierungschef unseres Landes und Kuratoriumsmitglied unserer Stiftung, Herr
Ministerpräsident Hendrik Wüst. Sie haben das Wort.
Ich danke.