Zukunftsforum NRW – Niederlande – Grand Hotel Huis ter Duin, 30./31. November 2025

Zukunftsforum NRW – Niederlande

im Grand Hotel Huis ter Duin
in Noordwijk aan Zee


30./31. November 2025

Grußwort
Prof. Bodo Hombach

8. Oktober 2025

Verehrte, liebe Gäste, herzlich willkommen, Sie alle,

wir sind versammelt mit den Besten. Ihre Kompetenz und Erfahrung bildet unser Programm. Jeder einzelne verdient es, begrüßt zu werden.
Aber eines fehlt: Redezeit. Die ist geiziger als der Finanzminister. „Paucos nomino, omnes complector“. Ich nenne wenige und meine alle.

Ich begrüße also auch in Ihrem Namen den Ministerpräsidenten dieses gastlichen Landes Herrn Dick Schoof und unseren Schirmherrn Herrn Ministerpräsident Hendrik Wüst sehr herzlich.
Und ich danke unseren Vorsitzenden, den früheren Ministerpräsidenten aus den Niederlanden und aus Nordrhein-Westfalen, Herr Professor Dr. Jan Peter Balkenende, der kluge Europäer, der Wissenschaft und Politik in seltener Balance verbindet.
Herrn Armin Laschet, heute engagierter Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des wichtigen Auswärtigen Ausschusses. Der Politiker, der Haltung und Humor nicht als Gegensätze versteht.
Die Deutsch-Niederländische Handelskammer ist starker Partner. Frau Präsidentin Eva van Pelt, dafür danke ich Ihnen.

Frau Botschafterin Somsen und Herr Botschafter Meyer-Landruth, für Ihre unverzichtbare Unterstützung danke ich sehr. Ein Kreis, bei dem solch` Sachverstand durch den Raum schwebt, braucht kein inhaltliches Präludium.

Verehrte Niederländer, gestern haben Sie gewählt. Das Ergebnis ist noch frisch. Es ist noch zu deuten. (Mein erster Eindruck: Es gibt mehr Zuversicht als Sorge. Mehr Fragen als Antworten). Sicher ist, es wird auf eine Koalition hinauslaufen. In Ihrem Land ist das kein Makel. Es hat Tradition – es ist fast schon eine Kunstform.
Die moderne Psychologie nennt das Ambiguitätstoleranz. Die kann Widersprüche aushalten und durch Dialog. Gräben schließen und Brücken bauen. Die klappt man hierzulande einfach auf, wenn ein hoher Schiffsmast durch soll. Nüchterner Pragmatismus!
Wir sprachen einst vom „Poldermodell“. Dessen Geist hat die „Neue Mitte“ damals auch im deutschen Lande als Politikmodell inspiriert. Später redete man dann mehr von „Haltung“ als von Handwerk, von Moral statt Methode. So kommt Pragmatismus unter die Räder. Vernunft und Erfahrung auch. Wo Vernunft endet, beginnt Ideologie. Ideologie ist die Illusion, im Besitz letztgültiger Wahrheit zu sein. Wer die hat, hört nicht mehr zu. Wer nicht zuhört, versteht nicht. Wer nicht versteht, verwechselt Meinung mit Wissen und stellt die Räder der Vernunft still.
In diesem Saal begegnen sich Geist und Wille. Der will handeln – nicht abwarten.
Das verbindet uns über Politik und Geschäft hinaus.

Liebe Niederländer, wenn ein Deutscher den Anfang Ihrer National-Hymne hört, hofft er – fast ungläubig, „Endlich bin ich mal irgendwo willkommen.“ Schon im 16. Jahrhundert konnten Sie es. Deichbauer dämmen ein, auch einen schwer berechenbaren Nachbarn. Das funktionierte gleich mit der ersten Zeile. Historische Klugheit. Diplomatie in Reinkultur. Fast politische Poesie.

Ein möglicher Problemfall wurde stolzer Vater des Vaterlandes. Wilhelm von Oranien – ein Hesse. Bei uns erzählt man sich: Ein Hesse, ein Rheinländer und ein Westfale sitzen zusammen. Der Hesse macht den Plan, der Rheinländer macht den Witz, der Westfale macht einfach. Am Ende lachen alle – nur der Hesse nicht. Der prüft noch die Bilanz. Das war schon damals nützlich.
Wer den integrieren kann, schafft auch die Europäische Union. Gekonnte Nachbarschaft. Eine der schönsten Pointen europäischer Geschichte.

Wir genießen den traditionellen Geist holländischer Kaufmannschaft. Am Ende haben wir meist das Gefühl, wir hätten ein Schnäppchen gemacht. Die Niederländer haben den ökonomischen Test früh bestanden. Zurzeit sind wir ja auf diesem Gebiet nicht die schnellsten Sprinter. Hoffen wir wenigstens auf Ausdauer.
Unser wirtschaftliches Fundament ist der Mittelstand. Familienbetriebe, Handwerksunternehmen, innovative Tüftler. Wir bauen auch auf Konzerne, die nicht zu Fossilien müder Dinos werden wollen. Die erfrischen sich durch Innovation – wie die Häfen von Rotterdam und Duisburg. Die ergänzen sich perfekt.

Dahinter das Ruhrgebiet. Industrie, Intelligenz, Dichte, Leben. Verbunden durch Rhein, Schiene und Straße. Manchmal aufgehalten durch lästige Staus. Bürokratie bürokratisiert sich schier unaufhaltsam weiter. Das frustriert, aber weckt den Willen zur Kooperation. Die schafft Warenströme, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Zukunftschancen.

Am 24. November zeichnen wir zwei, die genau dafür stehen, mit dem Brost-Ruhr-Preis aus. Die beiden Hafenchefs Siemons und Bangen.
Herr Ministerpräsident Wüst wird die Laudatio halten.
Wir ehren also jene, die Geld verdienen, damit der Staat Gutes tun kann.
Die Brost-Stiftung will Verständigung und Zusammenwirken. Begleiten, beleben und zukunftsfest machen. Wir haben keine andere Zeit – Nur diese.

Schön, dass wir zusammen sind. Noch schöner, wenn wir zusammenbleiben.
Eins weiß ich jetzt schon. Wir alle werden klüger gehen, als wir gekommen sind.
Dafür meinen vorauseilenden Dank.