„Vision ,Rhein Ruhr City 2032′ – wie wird NRWs Verkehrssystem fit für Olympia?“ – BAPP, 13. September 2018

„Vision ,Rhein Ruhr City 2032′ – wie wird NRWs Verkehrssystem fit für Olympia?“

Grußwort von Prof. Bodo Hombach

Bonner Universitätsforum, 13. September 2018

Verehrter Herr Minister Wüst,
verehrte Herren Mronz, Dr. Schade und Dr. Vesper,

dem stellvertretenden Chefredakteur der Rheinischen Post, Herrn Weigel, danke ich. Er wird unsere großartigen Gäste gleich protokollgerecht vorstellen. Ich begrüße unsere Gäste – auch in Ihrem Namen – sehr herzlich.

Sehr verehrte Damen und Herren,
es geschah vermutlich nicht so selten. Eurasien war groß. Aber Neandertaler und Homo Sapiens begegneten sich. Seit ein paar Wochen wissen wir, das gilt auch für die Vorfahren unserer direkten Vorfahren. Neandertaler und diese hatten innige Beziehungen. Das wollten Wissenschaftler und auch das Neandertal-Museum lange nicht für möglich halten. Paläontologen beweisen nun: Es kam vor. DNA-Segmente zeigen, dass sich intime Begegnungen über Generationen ereigneten. Sollte es damals Vorurteile gegeben haben – die waren offenbar überwindbar.

Begegnungen und Beziehungen vor 90.000 Jahren dokumentieren: Am Anfang unserer Menschwerdung standen Verkehr und Mobilität. Schon immer galt: Reisen bildet, Reisen bindet und verbindet. Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust.

Viel später wurde das römische Imperium möglich und stabilisiert durch eine einzigartige Infrastruktur durch ganz Europa. Der römische Beton für Brücken und Viadukte war deutlich haltbarer als der heutige. Noch heute finden wir römische Straßen. Die wurden so oft befahren, dass die Spurrillen der Karren tief eingefräst sind.
Vor 10.000 Jahren wurden Menschen sesshaft. Sie bauten Hütten und Zäune. Sie behaupteten ihr Territorium. Obwohl die meisten Teile der Welt unentdeckt und offen standen. Die neue Sesshaftigkeit war auch Abschottung. Man verteidigte seine Region mit Zähnen, Klauen und Schlagbäumen. Der Wahlspruch des Drachen aus Wagners „Siegfried“ „Ich lieg und besitz“ war Motto.

Hundertausende von Jahren war Mobilität die übliche Daseinsweise. Man war unterwegs. Auf dem Weg zu besseren Jagdgründen und wärmeren Klimazonen. Man suchte die angenehmere Nachbarschaft. Man war auf der Flucht vor räuberischen Zeitgenossen.

Mobilität war nicht das kleinere Übel. Es war die höhere Lebensform, und sie schuf auch höhere Lebensform. Begegnung verhinderte Inzucht und die Verengung der eigenen „Kultur“. Wer auf sich hielt, war offen für Neues und Andere. Das trainierte den Geist und weitete den Horizont. Man tauschte Ideen und auch Gene.

Das Ergebnis war nicht der gemeinsame Nenner, aber das gemeinschaftliche Vielfache. Leben braucht also nicht nur Sauerstoff und Nahrung, sondern auch Mobilität.

Unser Gast, der Verkehrsminister von NRW Herr Wüst, hat eine Menge Sorgen. Er wird selten an unsere reisenden Vorfahren denken. Auch das genetische Cross-over in altsteinzeitlichen Wohnhöhlen ist nicht sein Thema. Aber Stillstand ist auch ihm ein Greuel. Die morgendlichen Staunachrichten des Radioweckers treiben seinen Blutdruck.

In der Verkehrspolitik, also dem urmenschlichen Wunsch nach Mobilität, wurde vieles versäumt. Vieles blieb unerledigt. Verlorene Jahre sind aufzuholen. Da geht es um mehr als um Baustellenmanagement und Brückensanierung.

Heute werden wir eine sich gegenseitig motivierende Partnerschaft erleben. Der schon herzlich begrüßte Herr Mronz, aber sicher auch Dr. Vesper, sind Treiber einer großen Idee. Der Rhein-Ruhr-Raum bewirbt sich um die Olympischen Sommerspiele 2032. Auch da ist Mobilität das alles beherrschende Thema. Selbstredend bei den Athleten und ihrem Traum vom „schneller – höher – weiter“. Der eigentliche Sinn solcher Spiele ist, Menschen in Bewegung zu bringen. Sie sollen sich im friedlichen Wettstreit begegnen.

Schiller sagte: „Wer kennt die Völker, nennt die Namen, / die gastlich hier zusammenkamen?“
Schon bei den alten Griechen waren Faustkampf, Speer- und Diskuswurf nur der Vorwand. Eigentlich ging es darum, zänkische Clans zu domestizieren. Ihre Lust auf Krieg und Gewalt sollte sich in unschädliche Bahnen lenken. Die Kampfbahn des Stadions ersetzte das Schlachtfeld. Aus opferreichen Prügelorgien wurden Spiele.
Die hatten das hohe Ethos von Fairness und Völkerfreundschaft.

Apropos Stadion. Mit Sportstätten aller Art ist die Ruhrmetropole schon heute bestens versorgt. Sie werden fleißig genutzt. Dort muss man keine protzigen Architektur-Opern dazu erfinden. Nach der Abschlussfeier werden sie nicht veröden.

Olympische Investitionen stehen unter dem Gebot der Nachhaltigkeit. In der Rhein- Ruhr-Region wäre das schon im Vorhinein erfüllt. Die statischen Bauten sind da. Es hapert aber gewaltig an der Mobilität dazwischen. Da entsteht täglich Frust. Es gilt, Versäumtes auszugleichen. Ein olympischer Schub wäre hochwillkommen.
Wir wurden mit und durch Verkehr zu dem was wir sind. Wenn der Verkehr stockt, stockt unsere Entwicklung.
Wir haben eine neue Landesregierung. Wir haben einen jungen und dynamischen Verkehrsminister. Eine Chance! – Vielleicht wird jetzt alles gut.

Wie immer werden wir diesen Saal klüger verlassen als wir ihn betreten haben. Dafür stehen unsere großartigen Gäste. Mit dieser Annahme habe ich mich noch nicht ge- täuscht. Herr Minister, Sie haben das Wort!

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