„Licht­blick“ – Han­dels­blatt, 21. März 2014

In Eu­ro­pa fla­ckern die Lich­ter. Alarm­lam­pen über­wie­gen. Leucht­tür­me sind sel­ten. Da wäh­len die Ser­ben mit gro­ßer Mehr­heit einen Mann, der kon­se­quent die Kor­rup­ti­on be­kämpft, kri­mi­nel­len Olig­ar­chen die Stirn bie­tet und sei­nem Land den Weg nach Eu­ro­pa öff­net.

Ach, tut das wohl!

In­mit­ten apo­ka­lyp­ti­scher Nach­rich­ten stellt sich Ser­bi­en dem Ab­wärts­trend ent­ge­gen. Aus­ge­rech­net das un­ru­hi­ge Bal­kan­land ver­ha­gelt den Me­lan­cho­li­kern die rou­ti­nier­te De­pres­si­on. Das Kind schien in den Brun­nen ge­fal­len, jetzt klet­tert es mutig und mun­ter her­aus.

Wer es noch span­nen­der will: Wahl­sie­ger Aleksan­der Vucic war in ju­gend­li­chen „wild days“ nicht nur der üb­li­che Eu­ro­skep­ti­ker. Als Me­di­en­spre­cher von Slo­bo­dan Mi­lo­se­vic ver­trat er den schäu­men­den Eu­ro­pa­has­ser elo­quent. In den hei­ßen Zei­ten des Bal­kan­kon­flikts droh­te er jedem, der es wagen würde, ser­bi­sches Ter­ri­to­ri­um und die Ehre sei­ner Be­woh­ner zu schmä­lern.

Nun spricht alles dafür, dass aus dem Sau­lus ein Pau­lus wurde. Er wird sein Land aus der Iso­la­ti­on ins Of­fe­ne und zum Er­folg füh­ren – star­ker Tobak für alle, die ihn längst im Zoo ihrer Vor­ur­tei­le das Schild um­häng­ten „Bitte, nicht füt­tern!“

In Po­li­tik und Ge­schich­te ist es eine nicht sel­te­ne Er­fah­rung: Nicht die Ak­teu­re brin­gen es weit, die schon immer brav das­sel­be taten, son­dern die­je­ni­gen, die auch die an­de­re Seite ken­nen, viel­leicht sogar aus ei­ge­nen Irr­tü­mern und Feh­lern. Paul Clau­del brach­te diese ge­heim­nis­vol­le Dia­lek­tik auf den Satz: Gott schreibt ge­ra­de – auch auf krum­men Zei­len.

Klar, dass ihm eine de­mo­kra­tisch er­run­ge­ne kom­for­ta­ble Mehr­heit die Sache enorm er­leich­tert. O-Ton Vucic: „Jetzt hän­gen wir nicht län­ger von Arith­me­tik und Ver­hand­lun­gen ab, son­dern von se­riö­sen Plä­nen und Pro­gram­men – und wir wer­den alle guten Ideen auf­grei­fen, ganz gleich, ob sie von un­se­rer oder einer an­de­ren Par­tei kom­men.“

Wenn er Wort hält, sind ihm auch die­je­ni­gen wich­tig, die ihn nicht ge­wählt haben. Er will sie auf sei­nen Re­form­weg mit­neh­men und auf ihre Ta­len­te nicht ver­zich­ten. „Ver­söh­nen statt spal­ten“.

Ich wüss­te manch alt­ein­ge­ses­se­nen De­mo­kra­ten in good old Eu­ro­pe, für den das ein Lehr­stück wäre.

Der Licht­blick aus Bel­grad ist auch ein Si­gnal an die Wirt­schaft.

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